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Eine neue globale Karte zeigt die Funktionstüchtigkeit von Ökosystemen

Eine neue Studie geht der Frage nach, welche Gebiete auf den Kontinenten der Erde die beste “Funktionstüchtigkeit“ aufweisen. Sie sind von zentraler Bedeutung für die Nachhaltigkeit der Biosphäre und sie sind die auch die Gebiete, welche die meisten Dienstleistungen für den Menschen bereitstellen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel verdienen die außergewöhnlich funktionstüchtigen Ökosysteme einen besonderen Schutz.

Ökosysteme nehmen Sonnenenergie auf und wandeln sie in für den Menschen wichtige Ökosystemdienstleistungen um. Sie stellen zum Beispiel Biomasse bereit, die als Nahrung, Konstruktionsmaterial oder Energieträger genutzt werden kann, aber sie regulieren auch das Klima und speichern Wasser. Für die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen sind Grundfunktionen wie Photosynthese und die Aufrechterhaltung von Nährstoffkreisläufen von entscheidender Bedeutung. Ökologische Prozesse führen dazu, dass Energie auf der Erdoberfläche aufgenommen, umgewandelt und abgespeichert wird. Manche Ökosysteme sind diesbezüglich effizienter als andere. Nach aktuellen Theorien und Befunden beruht dies u.a. darauf, dass diese funktionstüchtigen Ökosysteme eine größere Komplexität und Vielfalt aufweisen, wodurch Energie auf unterschiedlichen Wegen abgespeichert und weitergeleitet werden kann. Zudem ist der Gehalt lebender und toter Biomasse von besonderer Bedeutung. Funktionstüchtige Ökosysteme sind auch widerstandsfähiger gegenüber Störungen wie starken Temperatur- und Niederschlagsschwankungen. Funktionstüchtige Ökosysteme haben auch deshalb eine große Bedeutung für den Menschen, da sie die Anpassungsfähigkeit der Natur an Klimawandel regulieren.

 

 

In der Studie, die vom „Centre for Econics and Ecosystem Management“ an der Eberswalder Hochschule für Nachhaltige Entwicklung erarbeitet und in der internationalen Fachzeitschrift „Ecological Complexity“ veröffentlicht wurde, geht es um die Frage, wo diese Gebiete liegen. Das Autorenteam, das von Lisa Freudenberger angeführt wurde, hat entsprechende Indikatoren für die Funktionstüchtigkeit von Ökosystemen identifiziert, kombiniert und für alle Kontinente kartiert. Die höchsten Werte fanden die Autoren in vielen tropischen und subtropischen Regenwäldern wie dem Amazonasgebiet. Aber auch Regionen in den borealen und temperierten Zonen in Kanada, Russland und Skandinavien sind bedeutsam. Im globalen Naturschutz finden diese Gebiete aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Artenvielfalt gegenüber den Tropen häufig weniger Beachtung. „Global gesehen sind die von uns identifizierten Gebiete für die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen am wichtigsten und verdienen einen besonderen Schutz.“ sagt Lisa Freudenberger. „Unsere Arbeit ist die Grundlage für eine neue Herangehensweise für die Festlegung von Naturschutzprioritäten“, sagt Prof. Pierre Ibisch, Leiter der Forschungsgruppe.

Die Studie wurde im Rahmen des kooperativen Promotionsprogramms „Klimaplastischer Naturschutz“ der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH), der Universität Potsdam und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung sowie der Nachwuchsforschergruppe „Regionale Anpassungsstrategie an den beschleunigten Klimawandel – Ökosystemare Dienstleistungen / Biodiversität“ angefertigt. Eine Förderung erfolgte durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.

Literaturangabe: Freudenberger L, Hobson P R, Schluck M, Ibisch P L (2012) A global map of the functionality of terrestrial ecosystems. Ecological Complexity 12:13-22, Doi: 10.1016/j.ecocom.2012.08.002.